
Ein kleiner Ausflug in mein «anderes» Hobby: die Fotografie mit künstlichem Licht
Dieser Blogbeitrag beschreibt mein Setup - zum Teilen, aber vor allem auch als Gedächtnis-Stütze für mich selber.
Ich bin kein professioneller Fotograf, fotografiere aber seit Jahren sehr gern an vielen verschiedenen Orten: Feste, Berge, Cityskate, Parties - und auch Shootings mit einem einfachen Studio-Blitz bei mir zuhause. Gelernt habe ich das technische Handwerk im Zeichen- und Chemie-Unterricht am Gymi Rychenberg, wo ich etwas über Bild-Komposition, Gestaltung lernte und damals auch von Hand im Labor Schwarzweiss-Fotos selber entwickelte. Später hatte ich auch ein eigenes Schwarz-Weiss-Labor. Anfang 2000er Jahre habe ich einige Male an Workshops mit professionellen Fotografen bei Andreas Gemperle teilgenommen, wo ich dann von Andreas einen uralten, aber super guten Studioblitz mit seinen Worten übernehmen konnte:
Rémy, Du musst jetzt nicht mehr in Workshops kommen, sondern alle deine hübschen Freunde einladen und: üben, üben, üben…
In diesem Blogbeitrag nun schreibe ich die wichtigsten handwerklichen Kniffs auf - vor allem, um sie wieder zu finden.
Ich benutze einen Elinchrom ONE, welcher über den Elinchrom EL-Skyport Elinchrom Transmitter Plus manuell ausgelöst wird - angeschlossen über den Blitzschuh meiner Sony 𝛼 7R III A. Ausserdem kann in diesem Setup jede Kamera verwendet werden, die über einen Standard-Blitzschuh mit Mittenkontakt verfügt.
Alternativ - bzw. früher - benutzte ich den oben erwähnten uralten Studioblitz mit 230 V Anschluss von Andreas, der über den Koaxial-Anschluss der Sony 𝛼 7R III A ausgelöst wird.
Ich verwende kein TTL (through the lens) setup - aus Kostengründen, und auch, weil ich das künstliche Licht fast ausschliesslich in inszenierten Settigs brauche, wo schnelles Tempo nicht wichtig ist. Dies würde allerdings einen kamera-spezifischen Elinchrom Transmitter Pro voraussetzen.
Nebenbemerkung:
Der Elinchrom Transmitter Pro verfügt über einen analogen Anschluss mit Kabel-Adapter, sodass das alte koaxiale Synchronkabel auch verwendet werden kann. Der Transmitter Plus hingegen bietet diese Möglichkeit nicht.
Ausserdem verfügt der Elinchrom ONE auch über einen optischen Auslöser - d.h. er blitzt auch, wenn ein anderer Blitz ausgelöst wird. Umgekehrt kann ich meinen uralten Studioblitz auch als Hilfslicht benutzen, da auch der einen optischen Auslöser hat. Beide Richtungen sind also möglich – wobei man beachten sollte, dass Kameras mit Vorblitzen (z.B. bei Kompaktkameras mit TTL) den Elinchrom ONE ggf. falsch auslösen können.
Der Elinchrom ONE verfügt ausserdem über ein Bajonett, wo alte Schirme wie mein uralter Broncolor-Schirm eingesteckt werden können.
Es fängt schon beim Namen an: die Sache ist nicht ganz unkompliziert. Weil die Bedienung von Sony - insbesondere, wenn man Canon oder Leica gewohnt ist - «hochgradig nichttrivial» ist, war das die Haupt-Motivation für mich, diesen kleinen Blog-Beitrag zu schreiben, mit den Dingen, die ich jedesmal vergesse, wenn ich die Kamera wieder brauchen will.
Auch wenn ich hier etwas reklmiere: von der Bildqualität der Kamera, insbesondere mit der wunderbaren Optik Zeiss Batis 40mm F2 CF, bin ich extrem begeistert: die Kamera hat eine wunderbare Auflösung - und die Optik ein unglaublich gutes Detailreichtum und einen extrem guten Kontrast. Man kann die hochauflösenden Bilder freistellen und sieht immer noch alle Details extrem scharf - und ohne Farbschleider oder andere Artefakte.
Für Studioblitz-Aufnahmen verwende ich ein vollständiges manuelles Setup:
Die Blitzsynchronzeit ist 1/200 s oder 1/250 s in den technischen Daten.
Kürzere Zeiten als die Blitzsynchronzeit sollten nicht verwendet werden - da beim mechanischen Verschluss wie hier beide Lamellen voll offen sein müssen, sodass der Blitz, welcher sehr kurz ist, auf den gesamten Chip treffen kann. Bei einer kürzeren Auslöserzeit wandert «ein Schlitz über den Sensor» - sodass dann mit einem kurzen Blitz nur ein Teil des Bildes belichtet ist.
Bei Spiegelreflex-Kameras schaut man mit einem Spiegel durch die Linse - die Blende ist dann voll offen. Man sieht also die Szene, wie sie durch das Einstell-Licht beleuchtet wird. Kameras mit digitaler Vorschau haben die Angewohnheit, eine Vorschau der Einstellungen anzuzeigen. Arbeitet man nun also im manuellen Modus, und hat die Kamera so eingestellt, dass die Szene mit Studioblitz korrekt belichtet wäre, sieht man vor allem eines: gar nichts. Um den gleichen Effekt wie bei der Spiegelreflex-Kamera zu erreichen, muss man die Vorschau abstellen. Das ist nun die erste Einstellung auf der Sony 𝛼 7R III A:
MENU → (Kamera- einstlg.2) → [Anzeige Live-View] → Alle Einstell. Aus
Details: Anzeige Live View
Die Szene wird jetzt ähnlich wie bei einer Spiegelreflex-Kamera angezeigt.
Um den Fokus-Punkt mit dem Touchscreen auswählen zu können, muss der Berührungsmodus aktiv sein:
MENU → (Einstellung) → [Berührungsmodus] → Ein.
Details: Anleitung Focus Touchscreen
Damit die Kamera für Studiolicht-Fotographie vorbereitet ist, habe ich die Einstellungen einem Profil auf dem Kamera-Modus-Rad zugeordnet. Zum Speichern:
MENU → (Kamera- einstlg.1) Screen 3 → [ MR 📷 1 / 📷 2 Speicher] → Zentrum EinstellradDetails: Anleitung Profil Speichern
Die Einstellungen können dann einfach über das Modus-Rad aktiviert werden, indem man das Profil auswählt, z.B. ①
Für kleinere Projekte verwende ich die Leica D-LUX, welche baugleich ist mit der Panasonic Lumix LX100 (erste Version). Die Nachfolgerin LX100 II unterscheidet sich leicht in Auflösung und Firmware. Die Optik Leica DC Vario-Summilux 1:1,7–2,8/10,9– 34 mm ASPH ist extrem präzise und die Leica Software macht wunderbare Bilder mit einer speziellen Leica-Stimmung. Leica bietet auch bei meiner alten Einsteiger-Kamera von 2015 einen extrem guten Support an: Ich bekomme regelmässig eine schöne Zeitschrift, Reparaturen sind kein Problem, und die iPhone Leica App unterstützt die alte Kamera mit allen neuen Features - sie ist weit und breit die beste iPhone-Integration einer Kamera, die ich je gesehen habe.
Grundsätzlich können die gleichen manuellen Einstellungen wie oben beschrieben verwendet werden.
Um die Einstellungs-Vorschau abzustellen wie oben beschrieben, muss hier folgende Einstellung gemacht werden. Sie steht nur im manuellen Modus zur Verfügung - was ja auch sinnvoll ist.
MENU/SET → [Benutzerspez.] → [Dauerhafte Vorschau] (M-Modus) → [AUS]
Bemerkung: dies entspricht anscheinend dem Standard-Verhalten der Leica Kamera.
Details siehe Seite 87: Anleitung Leica D-LUX
Elinchrom ONE mit altem Schirm:

Elinchrom ONE mit Einstellicht und Swatch auf dem Tisch:

Hinweis: dieser Blog wiederspiegelt meine persönliche Meinung und hat nichts mit meiner Anstellung als Dozent der zhaw noch mit anderen Anstellungen zu tun.